183 Minuten für das Klima am 9. Dez. 2025, 13:00-16:03 Uhr vor dem Parlament. Statement Alexander Bodmann, Vizepräsident Caritas Österreich
Liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, liebe Mitstreiter*innen für das Klima!
Wir stehen heute hier, um daran zu erinnern, dass die Klimakrise längst Realität ist – in Österreich und weltweit. Und wir stehen hier, weil wir wissen: Die Klimakrise ist nicht nur eine ökologische, sie ist längst eine soziale Krise.
Sie trifft jene am härtesten, die am wenigsten zu ihr beigetragen haben. Das gilt für Österreich genauso wie für Länder des Globalen Südens.
Auch hierzulande spüren wir, wie sehr die Erderhitzung unser Leben verändert. 2024 war das heißeste Jahr seit Beginn der Messungen, die 1,5-Grad-Grenze wurde erstmals überschritten, und jedes Jahr erleben wir mehr Hitzewellen, Starkregen und Dürre.
Doch diese Krise trifft nicht alle gleich. Menschen kommen zur Caritas, weil sie keinen kühlen Ort mehr finden. Sie kommen aus heißen Wohnungen in überhitzte Straßen. In den Klimaoasen der Caritas können Pensionistinnen, Alleinerziehende und Obdachlose eine Auszeit von der Hitze nehmen. Sie kommen, um durchzuatmen, Wasser zu trinken, ein bisschen Ruhe zu finden. Hitze macht krank – und Armut macht Hitze lebensgefährlich. Wir sehen das jeden Tag.
Über tausend Hitzetote allein im letzten Jahr in Österreich, jeder einzelne vermeidbar. Wer wenig Geld zur Verfügung hat, wohnt öfter in schlecht isolierten Wohnungen, kann nicht einfach dämmen oder umrüsten.
Und während wir hier mit der Hitze kämpfen, verlieren weltweit Millionen Menschen ihre Lebensgrundlagen durch Dürre, Überschwemmungen und Ernteausfälle – Auswirkungen derselben Krise. Und das sind zumeist Menschen, die kaum bis nichts zur Klimakrise beitragen bzw.
beigetragen haben.
Wie ungerecht diese Klimakrise verteilt ist, zeigt ein Blick nach Burundi. Ich war im Sommer dort: Ein Land, in dem Dürre, Überschwemmungen und Ernteausfälle längst zum Alltag gehören.
Burundi, ein Land, das zu den ärmsten der Welt zählt und in dem Hunger eine ständige Bedrohung ist. Und doch verursacht Burundi pro Kopf nur 0,05 Tonnen CO₂ – während Österreich bei 6,54 Tonnen liegt.
Die Klimakrise wirkt weltweit als Brandbeschleuniger für Armut, Hunger und Vertreibung. Sie raubt Millionen Menschen ihre Lebensgrundlagen – und es trifft jene zuerst und am stärksten, die die Krise nicht verursacht haben.
Das Pariser Abkommen verpflichtet auch uns, gegenzusteuern. Und auch wenn die COP30 in Belém hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, gilt mehr denn je: Wir dürfen nicht resignieren. Wir müssen handeln. Jetzt!
Denn Klimaschutz entscheidet darüber, ob Menschen gut leben können – hier bei uns und weltweit.
Klimapolitik geht mit Sozialpolitik einher und muss endlich zusammengedacht werden.
Als Caritas reagieren wir dort, wo Menschen Hilfe brauchen: Wir bieten Klimaoasen, Streetwork und Trinkwasserstellen, wir leisten medizinische Versorgung und Hitzeschutz. Wir retten Lebensmittel, reparieren Geräte, schaffen Arbeit in unseren Carlas und unterstützen weltweit Bäuerinnen und Bauern, damit sie trotz Dürre und Hitze ihre Familien ernähren können.
Wir wissen: Man kann Armut und CO₂ gleichzeitig reduzieren. Dafür setzen wir uns in unserer täglichen Arbeit im In- und Ausland ein. Beispielsweise mit der gemeinsamen Klimaschutz-Plattform BOKU x Caritas, denn Klimaschutz ist kein „nice to have“, sondern sichert unser Überleben und das nachkommender Generationen.
Mit der Klimaschutz-Plattform vereinen wir wissenschaftliche Forschung mit sozial und ökologisch nachhaltigen Projekten.
Wir sehen es als Caritas als unsere Verantwortung, nicht nur in unseren eigenen Einrichtungen klimafit zu werden und Klimaschutz zu leben, sondern die Menschen im Südsudan, in Uganda und Äthiopien durch Klimaschutzprojekte zu unterstützen.
Doch das genügt nicht. Denn die großen Hebel liegen in der Politik.
Nichtstun kostet mehr als jedes entschlossene Handeln. Jeder Euro, der in Klimaschutz fließt, spart vier bis zehn Euro an zukünftigen Schäden. Die Kosten der Untätigkeit tragen wir alle – ökonomisch, gesundheitlich und gesellschaftlich.
Und dennoch kürzt Österreich bei der Entwicklungszusammenarbeit – mitten in einer Zeit globaler Krisen. Das ist nicht nur kurzsichtig, das ist fahrlässig.
Darum richten wir heute einen klaren Appell an die 183 Abgeordneten dieses Landes: Handeln Sie entschlossen. Mit Mut und Verantwortung. Mit dem Blick auf die Menschen, die von Ihren Entscheidungen abhängen.
Wir brauchen einen sozial gestaffelten Klimabonus, der jene entlastet, die am wenigsten haben. Wir brauchen einen Klimasozialplan, damit Österreich endlich EU-Mittel für armutsbetroffene Haushalte nutzen kann.
Wir brauchen eine Sanierungsoffensive für leistbares Wohnen, bei der der gemeinnützige Wohnbau Vorrang hat und nach einer Sanierung niemand delogiert wird.
Wir brauchen einen Klimaschutzfonds für Pflegeheime, Spitäler und Sozialzentren, damit Hitze nicht länger eine Gesundheitsgefahr für die Schwächsten ist.
Und wir brauchen eine internationale Verantwortungspolitik, die
Österreichs Beiträge zu Klimafinanzierung, humanitärer Hilfe und zum Loss-and-Damage-Fonds nicht kürzt, sondern verlässlich stärkt. Denn Vorsorge ist immer günstiger als Krisenmanagement.
Die ökologische Transformation wird nur gelingen, wenn alle mitkönnen und alle mitmachen.
Eine Politik, die Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit trennt, wird beides nicht erreichen.
Für eine gute Zukunft gibt es keine Alternative – und für entschlossenes
Handeln auch nicht. Die kommenden Jahre entscheiden darüber, wie Menschen in Österreich, in Burundi und überall auf der Welt leben werden.
Darum sage ich heute: 183 Minuten für das Klima sind ein starkes Zeichen. Aber 183 entschlossene Stimmen dafür wären ein entscheidendes Zeichen! Handeln Sie. Jetzt. Für das Klima. Für die Menschen. Für eine Zukunft, die ihren Namen verdient.
