183 Minuten / Katharina Auer

183 Minuten für das Klima am 9. Dez. 2025, 13:00-16:03 Uhr vor dem Parlament. Statement Kaineder, Diakonie Österreich

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Abgeordnete, 

Österreich hat sich dem Pariser Klimaabkommen verpflichtet. Die Ziele des Abkommens werden nicht aller Voraussicht nach nicht erreicht. Unsere Treibhausgas-Emissionen sind weiterhin viel zu hoch.

 

Wir alle können die Auswirkungen des Klimawandels quasi laufend mit eigenen Augen mitverfolgen – Niederösterreich stand unter Wasser, in Wien spüren wir es im Sommer: Österreichs Temperaturen steigen stark an, die Anzahl der Hitzetage (und Hitzetoten) sind gestiegen. Österreich erwärmt sich im internationalen Vergleich in etwa doppelt so schnell wie der Durchschnitt. 

 

Wir erleben die Auswirkungen in unserer Nähe und sehen die globalen Auswirkungen täglich in den Medien – Tropenstürme, Überschwemmungen, Korallenbleiche, Schmelzen der Polarkappen, drastische Reduktion der Artenvielfalt – die Liste ist lang. 

 

Und es ändert sich – gefühlt – NICHTS. Im Gegenteil – Klimapolitik, die begann, mutig zu sein und Erfolge zu verzeichnen, wird aktuell wieder rückgängig gemacht.

 

Es ist frustrierend für all jene, die sich, teils seit Jahrzehnten für Änderungen in unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung einsetzen. Ich denke, für uns alle ist es wichtig, die Dringlichkeit anzuerkennen und was wir eigentlich brauchen, ist dringendes Handeln

 

Wir fordern Sie auf, liebe Abgeordnete, dringend ein solides und bindendes Nationales Klimaschutzgesetz zu verabschieden, das der Aufgabe, vor der wir stehen, gerecht wird. 

 

Als Sozialorganisation sehen wir in der Diakonie ganz deutlich – die Klimakrise verschärft soziale Ungleichheit dramatisch –innerhalb von Österreich und zwischen Ländern. 

Hohe Temperaturen sind ein Risiko vor allem für ältere Menschen, Personen mit Erkrankungen oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität. 

 

Wer in kleinen, schlecht isolierten Wohnungen oder dicht bebauten Gebieten lebt, oder im Freien arbeitet, und weniger Einkommen hat, kann sich schlechter vor Hitze schützen. 

 

Wir brauchen systemische Maßnahmen, welche die Verbesserung der Lebensqualität für alle schaffen und einen klimafreundlichen Lebensstil fördern. 

 

Wir brauchen einen Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, barrierefreie Infrastruktur oder im Sozialsystem verankerte Absicherung vor Risiken des Klimawandels. 

 

Liebe Abgeordnete, es braucht eine ambitionierte Klimapolitik für Österreich, und zwar eine, die soziale Gerechtigkeit stärkt.

 

Diakonie und Brot für die Welt arbeiten mit Partnerorganisationen in Ländern des globalen Südens zusammen. Dort sehen wir die Auswirkungen des Klimawandels noch viel drastischer:

 

Bauern und Bäuerinnen in Äthiopien haben seit 2020 die längste Dürreperiode mit 4 aufeinanderfolgenden Ernteausfällen erlebt. Millionen Menschen sind davon betroffen. 

 

Aber wir erleben auch, wie gerechter Wandel gestaltet werden kann: In unseren Projekten unterstützen wir Gemeinden, ihr von Dürre betroffenes Agrarland wieder nutzbar zu machen und ihren Wald zu schützen und wiederaufzuforsten. 

 

Ein 2. Beispiel: Im Hochland von Laos hat sich der Beginn der Regenzeiten so stark verschoben, dass der traditionelle Anbau von Trockenreis so nicht mehr machbar ist – damit ist das Grundnahrungsmittel vieler Menschen gefährdet. Wir unterstützen Bäuerinnen und Bauern mit saisonalen Wetterinformationen und durch Diversifizierung ihrer Produkte, damit Familien auch Essen verfügbar haben, falls eine Ernte ausfällt. 

 

Eines ist klar – Menschen, die in Armut leben, können wenig investieren oder ausprobieren, um sich an die Folgen der Klimakrise anzupassen. Sie können sich auch nicht auf ein Versicherungs- oder Sozialsystem verlassen, sondern ihre Lebensgrundlage – oder sogar ihr Leben, wie wir aktuell in den vielen Überschwemmungen in Südostasien sehen – ist bedroht.

 

Wir sehen, dass die Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele 2023 der UN durch die Klimakrise stark gefährdet ist. 

 

Österreich muss rasch eine umfassende transformative Politik einleiten, die allen Menschen in Österreich einen klimafreundlichen Lebensstil ermöglicht, unseren zu hohen Treibhausgasausstoß  senkt und auch Länder des globalen Südens, die viel weniger zur Verursachung der Klimakrise beigetragen haben, dabei unterstützt, sich anzupassen und klimafreundliche Lebensstile und Wirtschaftsmodelle voranzutreiben. 

 

Liebe Abgeordnete, wir fordern sie dazu auf, sich für umfassende Maßnahmen zur Senkung der Emissionen – das heißt einen Ausstieg aus fossilen Treibstoffen –und für eine starke internationale Klimafinanzierung einzusetzen.

 

Auch wenn das in der aktuellen Budgetsituation schwer zu vermitteln ist – wir können nicht länger warten. Die Schäden belaufen sich heute schon auf Milliardenhöhe, die Kosten des Nicht-Handelns übersteigen jene des Handelns. 

 

Wir fordern ein ambitioniertes und für alle Politikbereiche verbindliches Klimaschutzgesetz, das soziale Gerechtigkeit fördert. Danke für ihre Aufmerksamkeit.

Rede in voller Länge: