183 Minuten / Andreas Griebaum

183 Minuten für das Klima am 9. Dez. 2025, 13:00-16:03 Uhr vor dem Parlament. Statement Andreas Griebaum, Alpenverein

 

Der Österreichische Alpenverein ist der größte alpine Verein und die größte

Jugendorganisation Österreichs. Als zivilgesellschaftliche NGO motiviert er mit über 720.000 Mitgliedern und rund 25.000 Ehrenamtlichen zur Ausübung verschiedener Bergsportarten und zur Teilnahme an der Alpenvereinsjugend. Das breite Bildungs- und Ausbildungsangebot ist einzigartig. Zusätzlich zur Expertise stellt er die erforderliche Infrastruktur wie Hütten, Wege und Kletteranlagen bereit.

 

Der Alpenverein versteht sich als sozialer Verein, in dem Inklusion gelebt wird und der gegen Diskriminierung jeder Art auftritt. Kulturelle Aktivitäten wie Tanzen und Singen zählen ebenfalls zu seinem Spektrum.

 

Im Kern nimmt neben dem Bergsport der Natur- und Umweltschutz eine gleichwertige Stellung im Alpenverein ein.

 

Als „Anwalt der Alpen“ trägt er die Verantwortung für unsere alpinen Lebensräume, die besonders stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. Mit einer umfassenden Klimastrategie will er zeigen, dass Klima- und Naturschutz in allen Aktivitäten und Entscheidungen des Vereins fest verankert ist und wie er bis 2033 klimaneutral werden kann. 

 

Mit konkreten Maßnahmen inspiriert er nicht nur seine Mitglieder, Funktionär*innen und vielfältigen Partner*innen. Er möchte auch strukturelle Veränderungen bei

gesellschaftspolitischen Themen anstoßen. Das Ziel ist es, die Alpen als einzigartigen Lebensraum zu bewahren, was nur mit konsequentem Klimaschutz gelingt. Dabei will er die „alpinen Erlebnisse“ nicht einschränken, sondern sie so gestalten, dass sie auch für kommende Generationen möglich sind.

 

Während der Fokus dieser Klimastrategie auf der Klimaneutralität liegt, ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Erhalt der Artenvielfalt und ihrer Lebensräume eine

Grundvoraussetzung für den Erfolg des Klimaschutzes ist. Klimaschutz und Natur- und Umweltschutz müssen deshalb stets Hand in Hand gehen, um die Folgen des Klimawandels zu minimieren.

 

In der Klimastrategie wurden vier Handlungsfelder identifiziert, die das Wirken und Handeln des Alpenvereins darstellen und in denen die meisten Treibhausgasemissionen anfallen: „Mobilität“, „Infrastruktur“, „Bildung & Ausbildung“ sowie „Beschaffung, Grüne Finanzen und Digitalisierung”.

 

Eine Treibhausgasbilanzierung, für die der Alpenverein erst vor wenigen Tagen den

Freiwilligenstaatspreis erhalten hat, dient als Monitoring-Instrument, das Entwicklungen in den

Klimaschutzbemühungen des Vereins sichtbar macht. So können effektive Maßnahmen zur

Vermeidung und Reduktion ergriffen werden, die zu einer ausgeglichenen Bilanz 2033 führen. 

 

Von den vier Handlungsfeldern der Klimastrategie werden im Folgenden zwei näher betrachtet: „Infrastruktur“ und „Mobilität“.

 

Der Österreichische Alpenverein stellt 225 Hütten, 26.000 km Wege und über 200 Kletteranlagen bereit. Gemeinsam mit den anderen alpinen Vereinen bildet er damit ein wesentliches Rückgrat des Tourismus und das „wanderbare Österreich“.

 

Immer mehr Menschen zieht es in die Berge, auch aufgrund der steigenden Temperaturen in den Tälern und Städten und der Sehnsucht nach einer intakten Natur – eine Natur, die jedoch auch im sensiblen Hochgebirge unter zunehmendem Druck steht, beispielsweise durch den Wunsch nach der Erweiterung von Skigebieten in noch unberührte Geländekammern.

 

Gleichzeitig wird es für den Alpenverein aufgrund des Klimawandels immer schwieriger und aufwändiger, seine Hütten und Wege instand beziehungsweise überhaupt zu erhalten. Auftauender Permafrost, vermehrt instabile Berghänge und Steinschlag, Hangrutschungen und Vermurungen, Wasserknappheit sowie schmelzende Gletscher sind nur einige der komplexen Herausforderungen.

 

Als Beispiel sei hier die Seethaler-Hütte am Dachstein genannt, die in eine zuvor gefrorene Doline gerutscht und mit Millionenaufwand neu errichtet werden musste. Doch nun ist der Ver- und Entsorgungsweg abgeschnitten, da sich nach einigen tausend Jahren der Schladminger und der Hallstätter Gletscher getrennt haben und rasant abtauen. Die Tagesgäste bleiben aus, für die Bewirtschaftung muss nach neuen Wegen und kreativen Lösungen gesucht werden.

 

Bauen im Hochgebirge erfordert doppelt so hohe Kosten wie im Tal, und die Bewirtschaftung der meist isoliert und in Extremlage befindlichen Hütten wird aufgrund steigender behördlicher Anforderungen sowie auch des höheren Anspruchs der Gäste an den Komfort zusätzlich erschwert.

 

Die Alpenvereinshütten haben jedenfalls eine Vorbildfunktion und zeigen seit Jahrzehnten, wie technologisches und organisatorisches Engagement zu einem umweltfreundlichen Betrieb beiträgt. Bis 2033 sollen die Umwelteinwirkungen jeder Hütte so weit wie möglich minimiert und viele mit dem Umweltgütesiegel der Alpenvereine ausgezeichnet werden.

 

Mobilität ist die grundlegende Voraussetzung für Bergsport-Aktivitäten und somit die größte Quelle für Treibhausgasemissionen im Alpenverein. Das bedeutet, dass hier der größte Hebel zur Reduktion besteht. Das Ziel ist es deshalb, durch eine Änderung des Mobilitätsverhaltens Emissionen einzusparen, ohne die „Tage draußen“, wie der Alpenverein sie nennt, zu vermindern.

 

Hierzu hat der Alpenverein im April 2025 eine Klimaallianz ins Leben gerufen.

 

Im Kern der Klimaallianz liegt der zivilgesellschaftliche Schulterschluss über Vereins- und

Fachbereichsgrenzen hinaus zur Gestaltung einer sozialen und klimagerechten

Mobilitätswende. Die Klimaallianz vereint neben dem Österreichischen Alpenverein

Organisationen wie die Naturfreunde, den Österreichischen Gewerkschaftsbund, die Katholische Aktion Österreich, die Bundesvereinigung Logistik sowie die Österreichische Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft.

 

Darüber hinaus wurde ein wissenschaftlicher Beirat aus zivilgesellschaftlichen Akteur*innen geschaffen. Beteiligt sind renommierte Wissenschafter*innen wie DI Dr. Harald Frey von der Technischen Universität Wien, Univ.Prof.in Dr.in Astrid Gühnemann von der Universität für Bodenkultur Wien und die emerierte Univ.Prof.in Dr.in Helga Kromp-Kolb.

 

Die Kombination aus breiter gesellschaftlicher Aufstellung, wissenschaftlicher Fundiertheit und gezieltem politischem Apell soll sicherstellen, dass faktenbasierte Erkenntnisse und gesellschaftliche Bedürfnisse direkt in politische Handlungsvorschläge münden.

 

Es wird Mut brauchen, dem Auftrag gerecht zu werden und die Klimaziele zu erreichen, da Veränderungen mit Verunsicherung einhergehen. Der Österreichische Alpenverein hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, Lösungen aufzuzeigen, Entwicklungsräume anzubieten, die Weiterentwicklung von Fähigkeiten zu ermöglichen und den Weg zu ebnen, um unbekanntes Terrain zu erkunden. Diese Veränderungen sind ein klares Bekenntnis zum Erhalt der vielfältigen Mitwelt.

 

Doch nur im Netzwerk und unter den richtigen Rahmenbedingungen kann es gelingen, die Herausforderungen zu meistern. Der Österreichische Alpenverein ist bereits am Weg, gehen wir ihn gemeinsam!

Rede in voller Länge: