Wissenschaft und Zivilgesellschaft fordern starken Klimaschutz und betonen dessen Notwendigkeit für sozialen Wohlstand und sicherheitspolitischer Sicherheit.
Deutliche Worte fanden namhafte Persönlichkeiten aus der Wissenschaft und von zivilgesellschaftlichen Organisationen an die Politik. Schauplatz der Aktion „183 Minuten für das Klima – 183 Abgeordnete, handelt JETZT!“ war am 9. Dezember der Platz vor dem Parlament in Wien, Anlass der bevorstehende 10. Jahrestag des Pariser Klimaabkommens am 12. Dezember.
Die Initiative „Klima 183“ bringt vor allem die Verantwortung der 183 Nationalratsabgeordneten für das Erreichen der Klimaziele in die Klimadebatte ein. Denn sie beschließen die Gesetze in Österreich. Zu 10 Jahre Pariser Klimaabkommen wurde deshalb ein Klimafaktenberg aufgebaut und eine hochkarätige Runde vor das Parlament zu Statements zur Klimapolitik eingeladen. Der Bogen spannte sich von der Wissenschaftlerin des Jahres 2024, Sigrid Stagl (WU) über Helga Kromp-Kolb (BOKU), Franz Essl (Uni Wien), Daniel Huppmann (IIASA Laxenburg) bis hin zu Nicolas Prinz, Ökonom in der Arbeiterkammer. Aus der Zivilgesellschaft sprachen Alexander Bodmann, Vizepräsident der Caritas Österreich, Katharina Auer von der Diakonie, die Schauspielerin Selina Ströbele, Andreas Griebaum vom Österr. Alpenverein sowie Ferdinand Kaineder, Präsident der Katholischen Aktion Österreich.
Musik wurde vom Rapper DanLio und dem Musiker Peter Czermak beigesteuert.
Am Ende der „183 Minuten“ war klar: Eine entschiedene Klimapolitik ist das Gebot der Stunde, nicht nur aus ökologischer Perspektive, sondern ebenso aus sozialer, wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Sicht.
Die Aussagen der Redner:innen:
Sigrid Stagl, erst vor wenigen Monaten als Wissenschaftlerin des Jahres 2024 ausgezeichnet, betonte, dass eine intakte Natur die Basis für das Wirtshaften sei. Eine ökologische Transformation sei das Gebot der Stunde, auch aus wirtschaftlicher Sicht.
Daniel Huppmann vom IIASA Laxenburg anerkannte den Sparzwang der Regierung, kritisierte aber, dass Subventionen für Wohlhabende teilweise erhöht wurden, während bei einkommensschwache Gruppen gespart werde. Auch Katharina Auer von der Diakonie Österreich vermisst soziale Gerechtigkeit, wenn etwa die Mittel für bilaterale Klimafinanzierung gestrichen werden.
Die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb betonte, die Erderhitzung erst bei Netto-Null-Emissionen gestoppt werden könne und selbst die Wissenschaft die Dynamik unterschätzt hätten: „Überrascht hat uns die Geschwindigkeit. Es wird schlimmer, schneller, länger anhaltend.“ Es brauche jetzt dringendes Handeln der Politik, neben einer schnellen Reduktion der Treibhausgas-Emissionen die Sicherung der Biodiversität. Sie zitierte auch die frühere deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkl mit dem Satz „Wir brauchen eine Volltransformation unserer Wirtschaft.“
Den Erhalt der Artenvielfalt sieht auch Andreas Griebaum vom Österreichischen Alpenverein für entscheidend. Auch die kommenden Generationen sollen die Einzigartigkeit des Alpenraums erleben können.
Nicolas Prinz, Ökonom in der Arbeiterkammer, verwies auf eine kürzlich veröffentlichte Studie, die die Rolle der Geldgeber der Wirtschaft untersuchte. Kapitalgeber investieren vor allem in fossile Industrien, die viel Gewinn einbringen, und tragen eine erhebliche Verantwortung für die CO2-Emissionen.
„Was ist einfach? Und was ist richtig?“ fragte die Schauspielerin Selina Ströbele mit einem Verweis auf die Harry Potter Serie. Diesen Fragen müsse die Politik nüchtern bearbeiten, gerade angesichts der Tatsache, dass wir „sehenden Auges in die Klimakatastrophe“ krachten.
Auf die Dringlichkeit einer wirksamen Klimapolitik verwies auch Katharina Auer von der Diakonie Österreich. Sie wies auch darauf hin, dass sie Klimakrise die soziale Ungleichheit deutlich verschärft, in Österreich ebenso wie weltweit. Denn Menschen mit wenig Einkommen können sich kaum gegen die Auswirkungen der Klimakrise schützen. Vor allem kritisierte sie, dass die Regierung Mittel für internationale Hilfe gestrichen habe und forderte eine transformative Politik, die allen Menschen gerecht werde.
Caritas-Vizepräsident Alexander Bodmann verwies darauf, dass die Klimakrise längst zur sozialen Krise geworden sei, weil sie sowohl in Österreich als auch auf globaler Ebene vor allem die am härtesten treffe, die am wenigsten dazu beigetragen hätten. „Wir wissen: Man kann Armut und CO2 gleichzeitig reduzieren“, sagte er. Und: „Die großen Hebel liegen in der Politik. Nichtstun kostet mehr als jedes entschlossene Handeln. Jeder Euro, der in Klimaschutz fließt, spart vier bis zehn Euro an zukünftigen Schäden.“ Mit Vorschlägen von einem sozial gestaffelten Klimabonus bis zu internationaler Verantwortungspolitik richtete auch er einen eindrücklichen Appell an die Abgeordneten: „Handeln Sie. Jetzt. Für das Klima. Für die Menschen. Für eine Zukunft, die ihren Namen verdient.“
Der Präsident der Katholischen Aktion, Ferdinand Kaineder richtete einen Blick auf unseren Lebensstil und betonte, „dass Weniger, wenn es mit dem Wesentlichen zusammenfällt, Glück bedeutet.“ Klimapolitik gehöre aus dem ideologischen Eck heraus, sie sei vielmehr als Sicherheitspolitik sowie als Industriepolitik zu begreifen und sichere unseren Wohlstand und Sozialstaat. Er rief auch die Enzyklika von Papst Franziskus, Laudato Sii, in Erinnerung, die dazu einlade, „den Weg einer ökologischen Umkehr hin zu einer neuen Mitweltgerechtigkeit zu gehen.“
Als letzter Redner verwies der Biologe Franz Essl auf das Erkenntnis des Internationalen Gerichtshof, wonach ein intakter Planet ein Menschenrecht sei. Doch ernüchtert stellte er mit Blick auf die Klimapolitik weltweit, ebenso wie in Österreich, fest: „Das Zurückrudern wurde zum neuen Volkssport.“ Und er rechnete vor, dass beim zu erwartenden starken Temperaturanstieg bis 2050 ein Verlust von nicht weniger als 18% des Volkseinkommens zu erwarten sei.
Reden in voller Länge:
Sie finden alle Reden in voller Länge auf YouTube im Kanal der Klima-Allianz OÖ / Playlist „Klima183“.
Auf den folgenden Seiten finden sie auch die Texte der Reden, ebenfalls mit zugehörigen Video.
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